Das Holz, der Sinn und die Achtsamkeit

Der Zimmermeister Johannes Erlinger, der Waldbauer Josef Gasteiner und der Sägewerksbetreiber Andreas Wittmann sind sich einig: Nur wenn Sinn, Bedeutung, Freude und Professionalität zusammenwirken, wird es gut.

Vollholz ist nicht genug: Johannes Erlingers Ansprüchen beim ökologischen Hausbau nach Maß genügt ausschließlich gewachsenes Kantholz. Das, so meint er, sei „nachvollziehbar“ und „wunderschön“: „Das Charaktervolle, das Holz ausstrahlt, liegt im Kantholz, im ganzen, natürlich gewachsenen Stück.“ Und nicht im „zusammengestückelten“ Leimbinder. „Das ist ein Holz und doch kein Holz“, befindet der Zimmermeister und in seinem Blick liegt dabei ein Funkeln.

Der Mann hat eine Mission. Und die ist mit „ökologischem Hausbau“ nur unzureichend beschrieben. „Es ist etwas Einmaliges in deren Leben“, verdeutlicht er die Dimension, die ein Hausbau für die meisten hat. Als oft haupt-, wenn nicht alleinverantwortlicher Handwerker obliegt es dabei ihm, unter enormem Einsatz von Energie ein Projekt mit einer Baufamilie durchzutragen, und das bedeutet weit mehr als sorgfältige Planung und Ausführung. Da spielt Einfühlungsvermögen eine große Rolle, um Bedürfnisse zu verstehen und in gebaute Realität umzusetzen. Es braucht fast immer einen Vermittler – um die Wünsche der Baufamilienmitglieder in Einklang zu bringen wie auch Traum(haus) und (Finanz‑)Wirklichkeit. Und es braucht die richtigen Verbindungen zu Zulieferern, die den Zimmermeister überhaupt erst mit jenen Materialien versorgen, mit denen sich ein Erlinger-Bau verwirklichen lässt.

Waldbauer und Sägewerksbesitzer
Im Fall des in Heiligenkreuz und Baden ansässigen Holzbaumeisters sind das der Waldbauer Josef Gasteiner und der „Sagler“, sprich Sägewerksbesitzer Andreas Wittmann. Die beiden sind praktisch Nachbarn und natürlich aus der Region: Kleinzell ist gerade einmal eine halbe Autostunde von Heiligenkreuz entfernt.

Die erste Begegnung von Waldbauer und Zimmermeister riecht ein wenig nach Heimatroman, aber so ist es eben passiert. Josef Gasteiners Wald erlitt einen Sturmschaden: Eine wunderschöne, satte 170 Jahre alte Lärche hatte dem Winddruck nicht standhalten können. Gezwungen zum Verkauf, wollte der Waldbauer zumindest sicherstellen, einen würdigen Abnehmer zu finden. Johannes Erlinger kam gleich persönlich, die beiden wurden in Minutenschnelle handelseins und verbrachten den ganzen restlichen Tag miteinander. Wald, Holz, das Echte und das Wahre, die Liebe zum Tun, die Nähe zur Natur – Anknüpfungspunkte und Gesprächsstoff gab es ohne Ende.

Lob der Vielfalt
Vielleicht erscheint das dem einen oder anderen gar zu idealisierend. Diesen sei gesagt: nicht der individuelle, kleinunternehmerische und persönliche Ansatz ist zu problematisieren, sondern sein Gegenteil: der seelenlose der Industrie. Über die Entkrümmung und Entbitterung der Gurke haben wir vermutlich alle schon mal ein wenig geschmunzelt oder auch den Kopf geschüttelt. Tatsächlich zeigt sich hier das ganze Ausmaß des so schrecklich verkehrten Zugangs: Die Industrie braucht Einheitlichkeit und Wiederholbarkeit; die Natur ist Vielfalt und Einzigartigkeit. Und wie in dem Witz vom Rasierautomaten, der nur beim ersten Mal wirklich schlimm ist, wird, was nicht passt, eben passend gemacht. Und wessen Gesichtskonturen nach dem Zurechtschnitzen noch immer nicht der Rasierautomaten-Norm entsprechen, für den sucht man mitnichten nach einer individuellen Lösung; der ist dann Ausschuss.

„Habe ich nur eine einzige Tanne in 50 fm Fichte, gibt es einen kräftigen Abschlag“, erklärt der Waldbauer, warum ihm an industriellen Abnehmern nicht gelegen ist. „Das Minimum pro Sortiment sind 30 fm, sonst ist kein ordentlicher Preis zu erzielen. Der Zwang zur Masse zwingt zur Monokultur. Mit traditionellen Werten wie Achtsamkeit der Natur gegenüber ist das nicht vereinbar.“

Diversität in der Bearbeitung, so Gasteiner weiter, könne es nur im Nischenbetrieb geben. Der Standardisierungswahn in der Industrie geht ja sogar so weit, dass selbst Hölzer der gleichen Art oft nicht akzeptiert werden – ist deren Wuchsgeschwindigkeit nämlich uneinheitlich gewesen, sind manche langsamer gewachsene härter und manche weicher.

Sinn und Freude statt schneller, weiter, größer
Er spielt damit den Ball direkt an Andreas Wittmann weiter, der genau um die Vorteile seines vergleichsweise kleinen Sägewerksbetriebs Bescheid weiß. „Wir machen alles selbst, nichts wird in Lohnarbeit vergeben. So können wir auf spezielle Kundenwünsche eingehen und nach Maß einschneiden. Dem brutalen Preiskampf in der Industrie setzen wir uns nicht aus; da lohnt das Umspannen nur bei riesigen Mengen. Die Befriedigung kann nicht im Gewinn liegen, die Ambitionen schneller, weiter, größer finden hier keinen Zugriff.“

Intangibles: immaterielle Werte
Wittmann spricht damit an, was den Zimmermeister, den Waldbauern und eben ihn, den Sägewerksbetreiber, eint und zu einem Musterbeispiel für Kleinunternehmertum macht, zu einem Triumvirat im beharrlichen Widerstand gegen den Zug der Zeit zu mehr und immer mehr: Profit ist nur insofern ein Ziel, als dass damit die materiellen Bedürfnisse abgedeckt werden. Wichtiger sind die immateriellen Werte, für die sich der englische Begriff „intangibles“ durchzusetzen beginnt. Liebe zum Handwerk, zum Arbeitsumfeld, Freude am eigenen Tun, der persönliche, empathische Umgang mit Kundinnen und Kunden … alles nicht mit Geld aufzuwiegen und dabei die wahren Säulen, auf denen ruhend ein gutes, zufriedenes Leben gelingen kann. Ganz oben steht der Sinn: „Zu wissen, was daraus wird, erfüllt mich mit einem Glücksgefühl“, kommt der Waldbauer Josef Gasteiner ins Schwärmen. „Zu wissen, dass der Johannes diesen Baum in einen Fußboden und den dort drüben in einen Dachstuhl verwandelt, dass all dies persönlich ist und bewusst, das macht es aus. Vielleicht kann ich mir den Fußboden in zwei, drei Jahren sogar anschauen.“

Andreas Wittman, der „Sagler“, kennt den Baum, den er bekommt, er weiß genau, wo er herkommt, wann er geschlägert wurde, was daraus werden soll. Das macht es ihm möglich, aus dem Zersägen von Holz eine persönliche, auf die besondere Qualität des Werkstoffs ebenso wie auf die individuellen Wünsche des Kunden eingehende Dienstleistung zu machen: Sinnhaftigkeit. Bedeutung.

Holz in seiner Urform zur Geltung bringen
„Die Arbeit mit Holz in seiner Urform“ ist auch für Johannes Erlinger eine beständige Motivation und nicht enden wollende Faszination. „Der Wald und das Holz geben vor, wie schnell man produziert. Und auch wie und was man produziert. Es geht darum, mit dem, was der Baum hergibt, zu arbeiten, ohne Eingriff durch industrielle Methoden. Das ist eine ganz eigene Qualität: Ressourcen-Achtsamkeit.“

Johannes Erlinger besitzt sie in hohem Maß, diese Ressourcen-Achtsamkeit, ebenso wie Josef Gasteiner und Andreas Wittmann. Der Zimmermeister ist es aber, der daraus und aus all den anderen Intangibles im Zusammenspiel mit professionellem Handwerk auf höchstem Niveau das herstellt, was die Menschen letztlich berühren können – und was sie berührt. Er ist der, der sich einfühlt, der sich hineindenkt, der auswählt und abwägt und viele Entscheidungen trifft: das „Durchtragen“ einer Baufamilie durch diese einmalige Kraftanstrengung „Hausbau“.

„Und dann kommt’s z’ruck“, lächelt der Zimmermeister. „Die Freude, wenn es wirklich passt.“

  • Zimmermeister Ing. Johannes Erlinger
  • Erlinger Holzbau GmbH
  • Heiligenkreuz 70
  • 2532 Heiligenkreuz
  • Tel: +43 664 599 66 40
  • E-Mail: office@erlinger-holzbau.at
  • Web: www.erlinger-holzbau.at
  • Josef Gasteiner
  • Lilienfeld
  • 3171 Kleinzell
  • Tel.: +43 2766 355 45
  • Mobil: +43 660 103 37 43
  • E-Mail: Gasteiner@a1.net
  • Andreas Wittmann
  • Wittmann Holz Gesellschaft m.b.H.
  • Außerhalbach 17
  • 3171 Kleinzell
  • Tel.: +43 2766 263
  • Mobil: +43 664 1412810
  • E-Mail: office@saege-wittmann.at
  • Web: www.saege-wittmann.at