Holzschutz ohne Gift

Das Holz trocken halten und die Konstruktion überdauert die Jahrhunderte: ein einfaches Prinzip. Warum Holzschutz ohne Gift aber schon beim Einschlag beginnt und eine Menge (bauliches) Know-how verlangt?

„Diese baulichen Maßnahmen können bei bestimmten äußeren Bedingungen allein ohne weitere Maßnahmen die Dauerhaftigkeit von Holz- und Holzwerkstoffbauteilen sicherstellen …“ heißt es beruhigend in der einschlägigen Norm zu konstruktivem Holzschutz (DIN 68800-2). Und beruhigend ist es tatsächlich zu wissen, dass „Holzschutz ohne Gift (HoG)“1 kein utopisches Anliegen mehr von Umweltschutzbewegten ist, sondern seit Jahren gelebte und sogar normierte Praxis beim zimmermeisterlichen Einsatz von Holz und Holzwerkstoffen. Es ist engagierten Baubiologen und der Interessengemeinschaft der Holzschutzmittelgeschädigten zu verdanken, dass dieser Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Noch in den 1980er-Jahren war „chemischer Holzschutz“, also Gifteinsatz, zwingend vorgeschrieben gewesen. Dabei sind Zimmerei und die Verwendung des genialen Materials Holz ja schon vom Ansatz her naturgemäß. Gewusst wie ist freilich wie immer die letztlich entscheidende Frage, um diesen Startvorteil dann auch ins Ziel zu bringen. So ist es etwa unabdingbar, ausschließlich Holz aus nachhaltiger und vorzugsweise heimischer Forstwirtschaft zu verwenden. Denn wenn der Preis für Holzbau die Zerstörung des (Regen)waldes ist, geht die ökologische Rechnung ganz und gar nicht auf, sondern lässt das Ökosphären-Desaster, in das die Menschheit sich gebracht hat, nur noch schlimmer werden.

Dreifach-Schutz im Holzbau
„Konstruktiver Holzschutz“ greift als Begriff eigentlich zu kurz, denn Holzschutz beginnt schon lange vor dem Einbau von sorgfältig zurechtgeschnittenen Balken und Brettern, Leisten und Latten, Kantholz und Kernholz. Drei Dinge sind es, vor denen Holz bzw. Holzbauteile geschützt werden müssen: „unzuträgliches Quellen und Schwinden“, Befall durch Pilze und/oder Insekten, Witterung. Und im Grunde geht es immer um ein und dasselbe: Feuchtigkeit. Denn: Trockenes Holz arbeitet nicht bzw. nicht mehr als tolerierbar, bietet Pilzen keine Lebensgrundlage und nur den allerwenigsten Schädlingen und verrottet nicht (jedenfalls nach menschlichen Zeitmaßstäben). Dementsprechend betrifft die erste „jedenfalls anzuwendende“ „grundsätzliche bauliche Maßnahme“ laut DIN Holzschutz die Sicherstellung, dass Holz(werkstoffe) bei Transport, Lagerung und Montage keine „unzuträgliche“ Änderung des Feuchtegehalts erfahren.

Feuchtegehalt beim Einbau
Auch bei der zweiten (sowie dritten und vierten) grundsätzlichen baulichen Maßnahme geht es um Feuchtigkeit, nämlich den Feuchtegehalt beim Einbau: „Holz und Holzwerkstoffe sind zur Vermeidung von unzuträglichem Quellen und Schwinden möglichst mit dem Feuchtegehalt einzubauen, der während der Nutzung zu erwarten ist“, heißt es in der Norm. Je nach Nutzungsklasse liegt dieser zwischen 5 und 15% (Nutzungsklasse 1, Innenräume), 10 und 20% (Nutzungsklasse 2, Innenräume und witterungsgeschützter Außenbereich; der Löwenanteil von Zimmererarbeiten fällt in diese Nutzungsklasse) sowie 12 und 24% (Nutzungsklasse 3 für den ungeschützten Außenbereich – Holzbrücken, Pergolen oder Terrassen ohne Überdachung usw.). „HoG“ empfiehlt: „Für den Bereich des Wohnungsbaus wäre demnach als maximale Holzfeuchte um = 12% anzustreben. Da solche Trocknungsgrade bei den großen Mengen an Konstruktionsholz, das heute verbaut wird, nur durch hohen Energieeinsatz zu erreichen sind, wird heute empfohlen, das Bauholz mit einer Holzfeuchte von um = 15 ± 3 % einzubauen.“
Dazu sollte man wissen: Holz gilt als trocken bis 20% Feuchtegehalt, zwischen 20 und 30% als halbtrocken und mit mehr als 30% als frisch. Zwischen 6 und 30% Holzfeuchte arbeitet Holz, als Grenze zum „unzuträglichen“ Arbeiten gilt gemeinhin 20%. Trotzdem, moniert „HoG“, „wird von den Zimmereien häufig halb trockenes Holz mit Feuchtewerten von 20% oder höher eingebaut“. Laut der in Österreich gültigen Werkvertragsnorm Holzbau ÖNORM B 2215 liegt der erlaubte Höchstwert jedoch bei 18%; die Entsprechung in Deutschland ist die sogenannte „Verdingungsordnung für Bauleistungen“, derzufolge Einbaufeuchten 20% nicht überschreiten dürfen. Allerdings sieht dieses Regelwerk Ausnahmen für Konstruktionen vor, in denen das Holz „ungehindert nachtrocknen kann und deren Bauteile nicht empfindlich gegenüber den hierbei auftretenden Verformungen sind“. Diese Schlupflöcher sind der Marktsituation geschuldet, denn Faktum ist: Wer ausschließlich gut trockenes Holz verwenden will, braucht entweder energieintensive Trockenkammern oder immens viel Platz und Zeit – als Faustregel gilt, dass Holz pro Zentimeter Dicke ein Jahr trocknen sollte; mitunter scheitert es auch ganz grundlegend an der Verfügbarkeit. Deshalb ist eine der wahrhaftigen Nagelproben für die Qualität eines Zimmereibetriebs die Frage: „Verfügen Sie über ein Holzlager?“ Eine Frage, die Holzbau Erlinger natürlich mit Ja beantworten kann.
Viele können das nicht und verwenden, auch weil es behördlicherseits teilweise toleriert wird, Holz mit über 20% Feuchtegehalt. Dadurch treten eine Reihe von Bauschäden immer wieder auf:

  • Setzung des Gesamtbauwerks
  • übermäßige Rissbildung an sichtbaren Holzkonstruktionen
  • ungleichmäßige Durchbiegung von tragenden Bauteilen
  • Verdrehen sichtbarer Sparrenköpfe
  • Abrisse von Bekleidungen durch Schwinden der Konstruktionshölzer

Achten Sie daher darauf, dass für Ihr Bauvorhaben ausschließlich trockenes Kantholz zum Einsatz kommt! Mit der Wahl von Holzbau Erlinger als Ihrer Zimmerei ist das sichergestellt: „Wir verwenden nach Möglichkeit das luftgetrocknete Kantholz von unserem Holzlager mit Ausgleichsfeuchten um 15%; wenn wir zukaufen müssen, was manchmal vorkommt, nehmen wir vorgetrocknete Kanthölzer mit ähnlichen Ausgleichsfeuchten“, gibt Johannes Erlinger bereitwillig Auskunft.

Holzschutz beginnt beim Einschlag
„Wer sein Holz um Christmett fällt, dem sein Haus wohl zehnfach hält.“ Der Spruch hat schon seine Richtigkeit, allerdings ist die Haltbarkeit bei richtiger Trocknung gar nicht das wirkliche Thema, die ist nämlich erwiesenermaßen bei im Sommer geschlägertem Holz genauso gut. Hingegen ist der Schädlings- und Pilzbefalldruck im Frühwinter am geringsten. Nach dem Schlägern gilt es, das Holz rasch zu trocknen: Man kann diesen Vorgang erheblich beschleunigen, indem man den gefällten Baum noch eine Zeitlang samt Krone und/oder Ästen liegen lässt. Blätter bzw. Nadeln entziehen dem Holz dann in kurzer Zeit große Mengen an Feuchtigkeit und Nährstoffen, die Lebensgrundlagen der Schädlinge; dementsprechend geringer wird der Befallsdruck. (Paradox erscheint auf den ersten Blick die Tatsache, dass auch das exakte Gegenteil funktioniert: Statt das Holz möglichst rasch zu trocknen wird es vollständig in Wasser getaucht. Auch das wäscht Holzinhaltsstoffe aus und sorgt dafür, dass das Holz, wenn es dann ans Trocknen gut, den Schädlingen wenig zu bieten hat. Einst ergab sich das durch das Flößen der Stämme quasi von selbst; aktives Nasshalten ist heute aber nur noch in Skandinavien gebräuchlich.)
Mit der ersten Frühjahrswärme ist es Zeit zum Entrinden, um Frischholzschädlinge zu vermeiden. Zu diesem Zeitpunkt kommen häufig die ersten Fungizide zum Einsatz, um die „Bläue“ (Pilzbefall) zu verhindern. Insbesondere Fichte und noch mehr Kiefer gelten als bläueanfällig. Es geht auch ohne -zide, sagt „HoG“: „Dieser Gifteinsatz ist unnötig, da gegen ein Verblauen des Holzes vor allem eine fachgerechte Lagerung und Trocknung des Holzes sowie der Einschlag im Winter hilft.“ „Fachgerechte Lagerung“ meint: aufgesägt und gut durchlüftet gestapelt.

Das arbeitende Holz
BU1: Bild 1: Durchschnittliche Schwundmaße am Holz: Jahresringe (tangential) ≈ 10% Schwund, Markstrahlen (radial) ≈ 5% Schwund, Holzfaser (longitudinal) ≈ 0,3% Schwund

Schwundmaße am Holz

BU2: Bild 2: Auswirkungen des Schwindens bei Holz a) Werfen der Bretter nach dem Gatterschnitt b) Baumscheibe nach dem Trocknen mit Schwindriss c) rechte und linke Seite beim Seitenbrett

Holzschwund nach Gatterschnitt

Beim Trocknen bzw. bei der Feuchteaufnahme verändert Holz die Form, es schwindet bzw. quillt – so weit, so bekannt. Allerdings ist das Ganze deutlich komplizierter, als es klingt. Die Formänderung ist nämlich in den drei möglichen Richtungen tangential, radial und longitudinal sehr unterschiedlich stark ausgeprägt, wie Bild 1 zu entnehmen ist. Bild 2 zeigt, was das für Bretter bedeutet: Sie verkrümmen sich umso stärker, je weiter weg vom Kern sie geschnitten wurden, und zwar stets so, dass die rechte Brettseite einen Buckel bildet. „Rechts“ ist bei einem Brett immer die dem Kern zugewandte Seite. Damit nicht genug, ist das Quell- und Schwindverhalten auch von Holzart zu Holzart unterschiedlich und hängt selbstverständlich direkt mit der Menge an aufgenommener bzw. abgegebener Feuchte zusammen.

Holzschädlinge
+ Bläue (ca. 100 Arten) ist ein holzverfärbender Pilzbefall, der die Holzfestigkeit nicht wesentlich beeinträchtig, das Holz aber für weiteren Pilz- und Schädlingsbefall anfälliger macht. Das Verblauen des Holzes ist wertmindernd, als Konstruktionsholz ist es jedoch „ohne weiteres geeignet“, wie uns „HoG“ versichert. Anders sieht es mit jeder Art von Fäulnis (Schwammbefall, Vermodern) aus: In diesem Fall ist ein holzzerstörender Pilz am Werk. Ob eine Hausfäule wie der Kellerschwamm, der echte Hausschwamm oder der weiße Porenschwamm, eine Lager-, Moder-, Braun- oder Weißfäule: Ursache ist immer zu feuchtes Holz, die erste Reparaturmaßnahme daher ebenfalls immer die Reduktion des Feuchtegehalts. Ähnliches gilt bei Schimmelbildung. Die einzige Ausnahme von der ehernen Regel, dass nur zu feuchtes Holz geschädigt werden kann, bildet der „Holzwurm“ (eine volkstümliche Sammelbezeichnung für die einzigen drei Insektenarten unserer Breiten, die auch bereits verbautes Holz angreifen; wobei mittlerweile als vierte Art vereinzelt auch Termiten nachgewiesen werden konnten). Auf die Frage, was genau bei welcher Art von Holzschädling zur Sanierung unternommen werden kann, wird in einem anderen Blogbeitrag eingegangen werden. Ebenfalls wird der holzschützende Einsatz geeigneter Oberflächenmittel Gegenstand eines weiteren Blogbeitrags sein. An dieser Stelle soll es nun darum gehen, wie mit konstruktivem Holzschutz im engeren Sinn die allermeisten Holzschädigungen von vorneherein vermieden werden.

Baulicher Holzschutz Das zugrundeliegende Konstruktionsprinzip ist einfach: Man verhindert möglichst den Kontakt mit Feuchtigkeit (Bild 3). Dennoch anfallende Feuchtigkeit soll so rasch als möglich abgeleitet werden, betroffene Bauteile sollen zur Gänze wieder austrocknen können. In diesem Zusammenhang ist der Begriff der Hinterlüftung von zentraler Bedeutung (Bild 4).

BU3: Bild 3: Baulicher Holzschutz für die Außenwand durch ausreichenden Dachüberstand und eine Sockelhöhe von mindestens 30 cm (Beispiel a); ohne Dachüberstand und bei geringer Sockelhöhe (Beispiel b) kommt es durch Schlagregen bzw. Spritzwasser zu einer starken Beanspruchung der Holzbauteile.

Auswirkungen des Schwindens bei Holz

Bild 4: Ausführung von Verschalungen. Bei den Ausführungen 1 und 2 bilden sich Feuchtenester, die auf Dauer zu Schäden an der Konstruktion führen.

Baumscheibe nach dem Trocknen mit Schwindriss

Weiters sind Diffusionsoffenheit (außen) und Winddichtigkeit (innen) der Konstruktion entscheidend. Ersteres ermöglicht das rasche Austrocknen eines Bauteils nach einer vorübergehenden Durchfeuchtung. Die diffusionsoffene äußere Abdichtung von Dach- und Wandbauteilen kann mit verschiedenen Materialien hergestellt werden, z.B. mit feuchtigkeitsabweisenden und wasserdampfdurchlässigen Holzweichfaserplatten.

Es geht mithin, wie schon eingangs gesagt, auch beim baulichen oder konstruktiven Holzschutz im engeren Sinn darum, das – richtig geschlägerte, korrekt gelagerte und ausreichend trockene – Holz vor eindringender Feuchtigkeit zu bewahren – und damit resistent gegen praktisch alle möglichen Bauschäden zu machen. Wird alles richtig gemacht, können Holzhäuser Jahrhunderte überdauern – und das ohne eine Spur von Gift.

Den Ökobuch-Verlag-Klassiker zum Thema gibt es seit 1983: Peter Weissenfeld, Holger König: „Holzschutz ohne Gift. Holzschutz und Oberfl ächenbehandlung in der Praxis“, ISBN 978-3-947021-00-0. Aktuell ist die – natürlich komplett runderneuerte – 17.(!) Aufl age von 2011. Danke für die freundliche Genehmigung der Verwendung von Informationen und Illustrationen aus dem Buch. https://oekobuch.de/